Menschenleben

Probleme des Alltags

Kenne ich Sie? Kleine Probleme des Alltags

Seit einiger Zeit habe ich ein Problem. Es ist nicht lebens- oder existenzbedrohend. Nichts, das als unüberbrückbar anzusehen wäre. Meistens muss ich ein bisschen schmunzeln, wenn es passiert. Aber es ist da, an jedem einzelnen Tag. Die Rede ist von höflichen Umgangsformen. Menschen, die man kennt, sollte man grüßen. Sei es durch ein paar nette Worte, ein leichtes Kopfnicken oder Winken. Das an sich stellt kein Problem dar, bin ich doch von meiner Familie gut erzogen und mit den Gebräuchen der Höflichkeit bekannt gemacht worden. Es ist auch nicht so, dass ich generell etwas dagegen habe, anderen Menschen freundlich gegenüber zu treten. Auch freue ich mich, bekannte Gesichter zu sehen und ihnen zu vermitteln, dass ich sie (mehr oder weniger) gerne mag. Aber genau in dem Punkt des Sehens besteht die Problematik. Nein, an meinen Augen liegt es nicht, ich kann (mit Brille) sehr gut gucken und erkenne deutlich mehr als Umrisse in meiner Umgebung. Hier geht es eher um das Erkennen des Menschen, welchen ich vermeintlich kenne. Es liegt auch nicht etwa an meinem Alter (immerhin gehöre ich seit ein paar Jahren zu der Generation 50 plus) oder einer beginnenden Beeinträchtigung meines Gehirns. Nein, mein Gehirn funktioniert zu 99 Prozent sehr gut (sehen wir mal von den kleinen Konzentrationsproblemen bedingt durch meine Tabletteneinnahmen ab) und die Alterserscheinungen halten sich ebenfalls (noch) in Grenzen. Früher hatte ich dieses Problem nicht. In meiner Jugend wusste ich genau, mit wem ich es zu tun hatte. Die Nachbarn aus unserer kleinen Straße, Schulkameraden, Bekannte aus dem Reitstall, ich kannte und vor allem erkannte sie immer. Meine Welt war zwar nicht klein aber doch überschaubar. Auch im Berufsleben konnte ich nach kurzer Eingewöhnung jedem Kollegen oder Geschäftspartner einen Namen und ein Gesicht zuordnen. Sogar an völlig artfremden Orten, wie zum Beispiel im Urlaub oder im Einkaufszentrum, erkannte ich zweifelsfrei mir bekannte Gesichter. Nun gut, Namen waren in bestimmten Bereichen meines Lebens schon länger Schall und Rauch. Meine Hundegassibekanntschaften hießen das Frauchen von Betti, Herrchen von Baldo oder ganz vereinfacht Kira-Frauchen. So wusste wenigstens auch der Herzmann von wem ich sprach und konnte die Person einordnen. Hundenamen merke ich mir spannenderweise leichter als die der dazugehörigen Besitzer. Das hat mich aber nie gestört. Ich sprach die Leute ja ohnehin nicht direkt mit Namen an. Erkennen tat ich sie auch ohne Hund und das war das Wichtigste. Dann zogen wir vor einigen Jahren aus der großen Stadt hinaus auf’s Land und das Schicksal nahm seinen Lauf. Die Nachbarn waren einfach, es waren ja nicht mehr so viele. Schnell lernte ich, wer wohin gehörte und ob ich ihn kannte oder nicht. Und auf dem Land grüßt sowieso jeder jeden im Vorbeigehen mit einem freundlichen Moin. Also eine ganz einfache Nummer. Was jedoch neu war, man wird von Menschen aus vorbeifahrenden Autos mit einem fröhlichen Winken oder einer freundlich zum Gruß erhobenen Hand gegrüßt. Und genau das ist mein Problem. Ich kann mir Gesichter von Menschen mit denen ich freundliche Gespräche führe gut merken. Nicht aber die dazugehörigen Fahrzeuge… Ich weiß nicht, dass die Dame drei Häuser weiter einen roten VW Polo fährt. Oder der nette Herr mit dem schönen Vorgarten, mit dem ich über Mähroboter gefachsimpelt habe, einen schwarzen BMW in der Garage stehen hat. Einfach ist das Ganze noch, wenn es sich um ein Fahrzeug mit Firmenaufschrift handelt. Den männlichen Part unserer lieben Freunde aus dem Dorf erkenne ich immerhin an der Beschriftung seines Transporters. Bei meiner Freundin selbst wird es schon schwieriger. Welches Auto fährt sie noch gleich? Mein Versuch, mir wenigstens einigermaßen die Kennzeichen zu merken, schlug ebenfalls gänzlich fehl. Und da man in so einem kleinen Dorf wie unserem nunmal aber auch daran gemessen wird, wie freundlich man zu seinen Mitmenschen ist, muss ich sehr auf der Hut sein, niemanden zu übersehen. Gedächtnislücken hin oder her. Wenn ich also eine Gassirunde durch unser Dorf mache, beobachte ich mit Argusaugen, welches Fahrzeug mit entgegenkommt und überlege krampfhaft, ob ich den oder die Fahrerin vielleicht kennen könnte. Ein sehr schweres und fast aussichtsloses Unterfangen. Ich möchte ja auch nicht einfach auf blauen Dunst irgendjemandem zu winken, der dann vielleicht denkt, was will die Frau von mir, braucht sie vielleicht gar Hilfe. Mit ganz unfairen Mitteln kämpfen übrigens die Menschen, die sich einfach – quasi über Nacht – ohne ein Wort zu sagen, ein neues Fahrzeug zulegen. Endlich hatte ich mir gemerkt, dass der Bruder unserer Vermieterin einen grauen BMW mit roten Kennzeichen fährt (wobei mein Augenmerk mehr auf den roten Kennzeichen lag muss ich zugeben). Da winkt mir plötzlich jemand aus einem blauen Golf mit normalem OD-Kennzeichen zu. In letzter Sekunde habe ich erkannt, dass es sich um die selbe Person handelt und schnell den Arm hochgerissen. Bis jetzt habe ich noch keine Lösung für mein kleines Alltagsproblem gefunden. Ich arbeite daran und hoffe, dass ich irgendwann einigermaßen damit klar komme und sich nicht allzu viele Bewohner unseres Dorfes neue Autos zulegen. Ich will wirklich nicht jammern, aber Ihr versteht, dass ich es nicht leicht habe, oder? Teile diesen Beitrag Das könnte Dir auch gefallen: 3 Kommentare Ursus van Draco10. Juni 2020 at 15:03 | Edit Ich kenne das Problem sehr gut. Meine Eltern leben in einem kleinen Dorf (in dem ich auch bis vor 10 Jahren gewohnt habe) und wenn ich nun zu Besuch (Urlaub, Dorffeste usw) bin, habe ich oftmals das Problem, das ich einige der Leute gar nicht (er)kenne. Von den Autos ganz zu schweigen. Also Grüße ich einfach jeden (so wie fast jeder andere auch) und kümmere mich nicht darum, ob ich für seltsam erachtet werde, den “normal” war ich in diesem Dorf nie XD Antworten Reni´s Odds and Sods8. Mai 2020 at 15:39 | Edit Da kann ich mich gut hineinversetzen. Ich kann mir nämlich schlecht Gesichter merken. LG Reni Antworten mijonisreise7. Mai 2020 at 02:19 | Edit 😂😂😂 … das kenn ich auch. Noch verschärft wird das Problem, wenn man von einem selbst unbekannten “Dorfbewohner” deswegen gegrüßt wird, weil die das Auto (damals auffallende Farbe!) zum Dorf gehörend

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Frohes Neues Jahr

Verspäteter Jahresrückblick

Ich weiß, ich bin etwas spät dran mit meinem Jahresrückblick, aber dennoch wollte ich Euch allen noch ein schönes neues Jahr wünschen. Machen wir uns auf in ein erfolgreiches, gesundes und spannendes Jahr 2020. Auf meinem Blog ist es leider mal wieder sehr ruhig geworden. Ich habe sehr viel bei Instagram gemacht, bin aber leider zeitlich und gesundheitlich nicht dazu gekommen, hier einen Beitrag zu schreiben. Ich möchte ja auch nicht einfach nur so husch husch einen schlechten Text hier reinhauen, damit ich überhaupt mal etwas geschrieben habe. Wenn, dann soll es auch etwas Anständiges sein, was Ihr zu lesen bekommt. Für dieses Jahr bin ich gerade dabei, mir einen Blogplan oder auch Redaktionsplan anzulegen, damit ich mich selbst daran erinnere, etwas zu schreiben. Es liegt ja nicht daran, dass ich keine Lust habe oder mir nichts einfällt. Im Gegenteil, ich schreibe nach wie vor für mein Leben gerne und habe auch tausend (okay, etwas übertrieben…) Ideen, zu welchen Themen ich einen Beitrag verfassen könnte. Oftmals mangelt es schlicht weg daran, dass ich viele andere Dinge zu tun habe und mal eben ein Bild mit etwas Text bei Instagram über das Handy hochladen geht einfach viel schneller und einfacher. Aber das sind natürlich Ausreden und die möchte ich nicht einfach so gelten lassen. Somit habe ich mich heute also hingesetzt und einfach erstmal drauflos geschrieben. Auch eben, um Euch erst einmal alles Gute für dieses Jahr zu wünschen und zu berichten, was das letzte Jahr so gebracht hat. Jahresrückblick – das war mein 2019 Was war also im letzten Jahr erwähnenswert? Als erstes fällt mir ein, dass es mir zwar nicht immer gut gegangen ist, aber das Krustentier sich mal etwas zurückgehalten hat. Ich bin Mitte 2019 in eine neue Tablettentherapie gekommen, die mir zwar immer mal wieder unverhofft heftige Nebenwirkungen bereitet, aber im Großen und Ganzen tut was sie soll, nämlich die Neubildung von Sarkomen verhindern. Die Fibromyalgie hält sich leider nicht so ganz zurück, das ist zwar unangenehm, aber mal mehr und mal weniger gut auszuhalten. An manchen Tagen habe ich wirklich heftige Schmerzen und kann mich kaum bewegen. An anderen Tagen geht es mir relativ gut und ich kann viele Dinge erledigen. Nicht so schön war in dem Zuge, dass der Krankenkasse zum Ende des Jahres plötzlich einfiel, die Behandlungskosten für die neue Therapie nicht mehr übernommen zu wollen, weil diese doch nicht den erwünschten Effekt bei den Patienten erzielt hätte. Nur durch die Hilfe meiner Freunde und Unterstützung verschiedener Spendeneinrichtungen für Krebspatienten war es mir möglich, die geforderte Summe innerhalb weniger Tage aufzubringen, so dass die Fortführung der Therapie zumindest bis Ende Juni 2020 gesichert ist. Dann entscheidet sich, ob das Medikament in Deutschland grundsätzlich zugelassen wird und die Kosten wieder von der Krankenkasse übernommen werden können. So gut die Sache für mich auch ausgegangen ist, zieht mir so etwas immer den Boden unter den Füßen weg. Bei mir wirkt diese Therapie wunderbar und ohne die Einnahme der Tabletten würde sich meine Lebenserwartung drastisch verringern. So viel Geld wird für teilweise unnötige Dinge in Deutschland ausgegeben, aber ein kranker Mensch muss um sein Leben bangen, weil genau an der Stelle dann gespart wird. Aber das ist eine eher politische Diskussion und gehört nicht in meinen Blog. Ich kann daran sowieso nichts ändern und bin nur froh, dass es so liebe Menschen in meinem Leben gibt, die mir immer zur Seite stehen und helfen wo sie nur können. Es gab aber auch einige erfreuliche Dinge im letzten Jahr. Zum einen hat mein Herzmann endlich einen Job gefunden, den er trotz seines kaputten Fußes ausüben kann und der ihm auch Spaß macht. Nachdem das Kranken- und Arbeitslosengeld ausgeschöpft war, hatte er erst versucht, wieder als Koch bei einem ehemaligen Auftraggeber zu arbeiten. Schnell stellte sich allerdings heraus, dass das lange Stehen und Laufen seinem Fuß nicht gut bekommt. Außerdem konnte sich sein Chef auf lange Sicht eine Festanstellung finanziell nicht leisten. So waren wir gezwungen, schnellstmöglich eine Alternative zu finden. Zum Glück war das Schicksal uns wohl gesonnen und so haben wir überraschend und zur richtigen Zeit eine Lösung gefunden. Das Schicksal war in unserem Fall eine Stellenanzeige in der ein Fahrer für die Auslieferung von Medikamenten an Apotheken gesucht wurde. Und weil wir schnell waren und mein Mann ein netter kompetenter Mensch ist, hat er die Stelle bekommen. So ein Fahrerjob schwebte ihm ja schon länger vor, da er dabei seinen Fuß nicht zu sehr belastet. Seit Anfang September fährt er nun also von Montag bis Freitag Medikamente aus und darf sogar „sein“ Firmenauto mit nach Hause nehmen. Damit hat sich auch das nächste Problem gelöst, wir müssen keinen zweiten Pkw anschaffen, was für uns wieder eine enorme finanzielle Herausforderung gewesen wäre. Die Entscheidung, Ende 2018 in ein Haus auf dem Lande umzuziehen, haben wir ebenfalls nicht bereut. Wir genießen jeden Tag die schöne Aussicht über Felder und Wiesen. Diego liebt „seinen“ Garten über alles und auch mir macht die Gartenarbeit sehr viel Spaß. Ich wusste gar nicht, dass erdverschmierte Hände und blühende Pflanzen bei mir ein Glücksgefühl auslösen können. Aber genau so ist es. Wenn mein Gesundheitszustand es zulässt, liebe ich es im Garten rumzuwerkeln und genieße anschließend das Ergebnis auf unserer Terrasse. Könnt Ihr Euch noch an meinen Beitrag „Was sind denn Deine Hobbys so?“ erinnern? Das war 2016 und ich konnte mir nicht vorstellen, jemals wieder eine Leidenschaft für irgendetwas zu entwickeln. Aber auch das hat sich im letzten Jahr geändert. Wenn mich jetzt nochmal jemand fragen würde, könnte ich gleich vier Dinge nennen, für die ich mich absolut begeistere. Zum einen ist das der oben schon erwähnte Garten. Ich lese alles, was ich in die Hände bekommen kann zu Gartenanlagen, Blumen, Pflanzen und Gartentipps. Und es lässt mein Herz höher schlagen, wenn ich wieder eine neue Blüte in unseren Beeten entdecke. Als zweite absolute Leidenschaft habe ich Anfang 2019 das Stricken wieder entdeckt. Vor vielen Jahren, als ich noch richtig jung war ;-), habe ich mit Begeisterung Pullover gestrickt. Schon lange wollte

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Mrs.Squirrel Diesunddas Jugenderinnerungen

Jugenderinnerungen

Eine Dorfstraße im hellen Sonnenlicht, der Geruch von frisch gemähtem Gras, keine Geräusche bis auf das Zwitschern von Vögeln und das leise Rauschen der Blätter in den alten Bäumen ringsum. Kurz bleibe ich stehen und genieße diesen Moment der absoluten Entspannung. Bilder entstehen in meinem Kopf, Erinnerungen werden wach. Vor 38 Jahren,  eine Dorfstraße wie diese, neben mir meine beste Freundin, wir reden über den bevorstehenden (für uns ersten) Discoabend und kichern. Zwischen uns schnaubt ihr Pony, irgendwo kräht ein Hahn. Je älter ich werde, desto deutlicher sind meine Jugenderinnerungen Je älter ich werde, desto öfter erinnere ich mich in bestimmten Situationen an Erlebnisse aus meiner Jugend oder Kindheit. Oft reicht ein bestimmter Geruch, eine Melodie, eine Begebenheit, eine Redensart oder einfach ein Moment wie der oben beschriebene. Liegt das an meinem Alter? Erinnert man sich mehr an längst vergangene Zeiten, je älter man wird? Ich bilde mir ein, dass mir das erst seit ein paar Jahren passiert. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich völlig in Gedanken versunken an Situationen oder Geschehnisse aus früheren Jahren denke und diese Revue passieren lasse. Meist sind es schöne Erinnerungen, mitunter auch traurige oder sehr emotionale. Plötzlich zum Beispiel ist es, als wäre ich mitten in einem heftigen Streit mit meiner besten Freundin. Oder ich sehe Szenen aus meiner Schulzeit vor mir und fühle mich genauso hilflos, als würde ich in diesem Augenblick an der Tafel stehen und hätte keinen blassen Schimmer, wie die Matheaufgabe nun zu lösen ist. Vor einigen Wochen waren wir zum Geburtstag bei meiner Freundin aus Kindertagen eingeladen. Sie wohnt in einem kleinen Dorf bei Schleswig. Dort habe ich schon vor vielen Jahren etliche Wochenenden in dem Ferienhaus ihrer Eltern verbracht. Mittlerweile hat sie selbst drei fast erwachsene Kinder und bewohnt ein eigenes Haus am Ende des Dorfes. Da sie ca. 140 Kilometer von uns entfernt wohnt, lud sie uns ein, in dem alten Ferienhaus ihrer Eltern zu übernachten und am nächsten Tag nach einem gemeinsamen Frühstück wieder nach Hause zu fahren. Ich freute mich nicht nur auf sie, sondern auch auf die Menschen, die ich viele Jahre nicht gesehen hatte. Beim Betreten des Ferienhauses fühlte ich mich spontan in mein 15. Lebensjahr zurückkatapultiert. Ich sah mich mit ihren Eltern beim gemeinsamen Frühstück an dem alten Kiefernholztisch sitzen. Dachte an unsere durchquatschten Nächte in dem winzigen Zimmer, ich auf der Gästematratze, meine Freundin in ihrem Bett liegend. Es kam mir vor, als wäre es erst gestern und nicht vor vielen, vielen Jahren gewesen. Letzt stand eine Frau vor mir an der Supermarktkasse, sie roch nach dem Parfum meiner Großmutter. Sofort fiel mir ein, wie aufgeregt ich als Kind immer war, wenn ich mit meiner Omi auf den Wochenmarkt gehen durfte. Nicht nur, weil ich jedes Mal eine Tüte Salmiakdrops an dem Süßigkeitenstand bekam, ich fand dort alles total spannend und fühlte mich wie in einer fremden Welt. Als vor einiger Zeit ein Spielmannszug durch unser Dorf zog, kamen mir spontan die Tränen, weil ich daran denken musste, wie sehr mein Vater diese Klänge mochte. Genauso gerne, wie Marschmusik übrigens. Als ich klein war, saß ich so manches Mal auf seinem Schoß und während aus den Lautsprechern des Plattenspielers der Radezkymarsch tönte „dirigierten“ wir dazu was das Zeug hielt. Der Klang von Pferdehufen auf Asphalt erinnert mich unwillkürlich an meine ersten kläglichen Reitversuche. Ein kleines dickes Shetlandpony, ich oben drauf und keinen Schimmer, was ich machen sollte, außer mich irgendwie oben zu halten. Da war ich ungefähr acht Jahre alt und meine armen Eltern mussten mit mir und meinem felligen Freund bei bestem Sommerwetter durch die Feld- und Wiesenlandschaft von Lüchow-Dannenberg laufen. Jugenderinnerungen zu teilen, ist doppelt schön Meine Freundin aus Kindertagen sagte letzt zu mir, dass sie so glücklich wäre, dass unsere Freundschaft seit so vielen Jahren hält. Denn ich sei die einzige (außer ihren Geschwistern), mit der sie noch alte Erinnerungen teilen könne. Wenn man außenstehenden Menschen von Erlebnissen berichtet, die sie nicht selbst erlebt haben, ist das so, als würde man nur eine Geschichte erzählen. Wenn wir uns über diese Dinge unterhalten, erleben wir alles noch einmal. Vorher habe ich mir darüber gar nicht so viele Gedanken gemacht. Aber wenn ich jetzt darüber nachdenke, muss ich ihr Recht geben. Wenn ich an die vielen Geschichten meiner Großmütter oder Eltern denke, die sie mir erzählt haben. Ich hörte zwar interessiert zu und fand es faszinierend, was sie alles erlebt hatten, aber so richtig vorstellen konnte ich es mir nicht. Ich möchte all diese schönen, emotionalen, traurigen und manchmal auch unbedeutenden Erinnerungen nicht missen. Auch glaube ich, dass ich viele Dinge heute erst richtig zu schätzen weiß, wenn ich an sie erinnert werde. Die vielen Momente, die ich früher so „nebenbei“ erlebt habe, bekommen heute in meinen Erinnerungen eine tiefe und wichtige Bedeutung. Und ich hoffe, dass ich später, wenn ich „richtig“ alt bin, noch viele weitere Erinnerungen mit Menschen teilen kann, die sie mit mir zusammen erlebt haben. Teile diesen Beitrag Das könnte Dir auch gefallen: 1 Kommentar smilane5. Mai 2019 at 09:32 | Edit … das erlebe ich auch immer wieder, wenn ich “nach Hause” fahre. Außer meiner Familie sind mir zwei Menschen aus meiner Kindheit bis heute geblieben. Zwei, mit denen ich all meine Jahre seit dem Kindergarten teile. Das sind die wertvollsten Begegnungen für mich. Menschen, die einen durchs bisherige Leben begleitet haben. Und selbst füŕ die Beiden, die all die Jahre vor Ort geblieben sind, sind es wichtige Kontakte die wir miteinander pflegen. Kontakte/ Freundschaften mit “Vergangenheit und Tiefgang”. Schön, wenn so etwas existiert. Aber du hast Recht, das Bewusstsein und die Wertschätzung kam bei mir auch erst ab einem gewissen Alter. Kürzlich äußerte meine 21jährige Tochter etwas in dieser Richtung. Sie bedauerte es, keine Kontakte aus Kinderzeit zu haben, niemand der sie “durchs Leben” begleitet, da wir zu oft umgezogen sind. Ich wünsche dir viele schöne Erinnerungsmomente ? Antworten Schreibe einen Kommentar Antworten abbrechen Du bist angemeldet als theorganizedcoziness. Dein Profil bearbeiten. Abmelden? Erforderliche Felder sind mit * markiert Recipe Rating Message*  Ja,

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A bis Z

Von A bis Z, G – wie Gewicht

Dieses böse G-Wort beschäftigt mich schon seit Teenager-Tagen, mal mehr und mal weniger. Manchmal frage ich mich, wie man sich über so ein „unwichtiges“ Thema so viele Gedanken machen kann und wie einem fünf Kilo mehr oder weniger auf den Rippen so wichtig sein können. Genau analysieren kann ich dieses „psychologische Wunder“ nicht, aber zumindest ein paar Worte über dieses Thema schreiben sollte drin sein. 😉 Mein Gewicht ist mal niedriger und oft höher “ Ich bin wie der Mond, mal zunehmend und mal abnehmend. “ Unbekannt Internetfund Ich weiß nicht, von wem dieser vielzitierte Satz stammt, aber er trifft (leider) voll auf mich zu. Ich bewundere Menschen, wie meine Freundin aus Kindertagen, die mit 18, 25, 30 und 50 Jahren noch in ihr Brautkleid passen, weil sie ihr Leben lang die gleiche Konfektionsgröße haben. Ich hingegen könnte nicht mal mit Sicherheit sagen, ob ich in einem Monat noch den Reißverschluss meiner (Stretch!-)Jeans zu bekomme. Von 48 kg (mit 19 und magersüchtig) bis 90 kg (mit 35 und undiszipliniert essend) habe ich schon alle Gewichtsklassen und Konfektionsgrößen von 36 bis 46 durch. Seit ein paar Jahren hat sich mein Gewicht in einem gewissen (halbwegs verträglichen) Rahmen eingependelt. Es schwankt jeweils um bis zu 5 / 6 kg und einer Größe 40/42 Wenn ich mal wieder längere Zeit über die Stränge geschlagen habe, kontaktiere ich meinen guten Freund Herrn Weight Watchers und lebe ein paar Wochen streng nach Plan. “ Entweder bin ich dünn, weil ich traurig bin oder ich bin traurig, weil ich nicht dünn bin. “ Unbekannt Internetfund Auch dieses Zitat aus einem Buch (leider weiß ich nicht mehr aus welchem) passt wie die Faust aufs Auge. Am wenigsten wog ich, wenn ich Liebeskummer hatte oder Single war. Stetig ansteigen tat mein Gewicht in einer längeren Beziehung. Ich kann nicht mal sagen, ob das an der sich einstellenden Bequemlichkeit liegt, an dem nicht mehr ganz so wichtig erscheinenden „Marktwert“ oder ganz einfach, weil Essen zu zweit einfach so schön gemütlich ist. Sobald ich nur den Anflug von Beziehungskummer verspürte, stellte mein Körper jegliches Verlangen nach gesunder und ungesunder Nahrung ein. Ich hatte weder Hunger noch Appetit und aß so gut wie gar nichts mehr. Ich weiß selbst, dass das kein guter Umgang mit meinem Körper ist, kann diesen Automatismus aber nicht stoppen. Und außerdem machte es mich quasi im Kummer glücklich, wieder in Größe 36 zu passen. Wenigstens ein Lichtblick sozusagen. Mein Gewicht entscheidet über mein Wohlbefinden Ja, ich war sogar wirklich eine Zeit lang so verrückt, mein seelisches Wohlbefinden entweder von der Zahl auf meiner Waage oder der gerade passenden Konfektionsgröße abhängig zu machen. 52 kg und Größe 36 / 38 ließen mich strahlend und gut gelaunt durch die Welt schreiten, abends in Clubs bis zur Erschöpfung tanzen oder mit Freunden spontane Strandpartys planen. 60 kg und Größe 38 / 40 dämpften meine Stimmung auf „ich will nicht darüber sprechen“, das Ausgehen auf Kinobesuche reduzieren und vor Ausflügen zum Baggersee oder an den Strand graute mir. Jedes Gewicht darüber ließ schwarze Wolken über meinem Kopf schweben, mein Home zu meinem Castle werden und nicht mal im Traum verschwendete ich einen Gedanken an Strand, Baggersee, Badeanzüge oder gar Bikinis. Und dann gibt es ja noch diesen famosen Satz von Kate Moss, für den ich sie gerne mal zu Rede stellen würde. Nichts schmeckt so gut, wie es sich anfühlt dünn zu sein. Echt jetzt??? Und wie verhält es sich zum Beispiel mit einer Tafel „Alpenmilch“ von Ritter Sport??? Oder Funny Chips frisch Peperoni??? Oder cremiger Sahne-Nuss-Torte???? Oder Dickmanns Schokoküssen???? (sorry Namensnennung und somit Werbung, aber unbezahlte.) Ganz ehrlich, außer zu der Zeit, als ich krankhaft dünn (magersüchtig) war, konnte ich noch nie zu Schokolade, Kuchen, Chips und gehaltvollem Essen, wie zum Beispiel Grünkohl mit Kohlwurst, Kassler und Kartoffeln, nein sagen. Natürlich weiß ich schon beim Essen dieser „sündigen“ Nahrungsmittel, dass sie „einen kurzem Moment Genuss bringen aber für immer auf den Hüften bleiben“. Und trotzdem hat es mich nie davon abgehalten diese Dinge zu essen, auch wenn ich genau wusste, dass es sich für mich besser anfühlt, dünn zu sein. Menschen, die alles in Maßen essen und genau ihre Grenzen kennen sind mir gleichermaßen suspekt wie ich sie dafür bewundere. Ich hingegen schlage mir den Bauch voll, wenn es schmeckt und denke hinterher, kein Wunder, dass sie (oder er oder wer auch immer) in Größe 36 passt und ich eben eher in Größe 40/42. Zum Glück gibt es in meinem näheren Umfeld ein paar Mädels, die sind wie ich. Mal mehr, mal weniger „rund“. Hin und wieder fangen wir alle gemeinsam mit Herrn Weight Watchers ein Techtelmechtel an und nach ein paar Wochen stellen wir beim gemeinsamen Frühstück oder Kaffeetrinken fest, dass die eine oder andere (meistens alle Anwesenden) schon seit einiger Zeit keine Punkte mehr zählen. So soll es also sein, dass ich eher der „Rubens-Typ“ bin und bleibe. Nur an eine Abmachung mit mir selbst halte ich mich seit einigen Jahren ganz strikt: Niemals über eine gewisse Gewichtsgrenze hinwegkommen. Und das klappt wirklich gut. Kurz vor Erreichen dieser Demarkationslinie kontaktiere ich Herrn WW und verbringe einige Wochen mit ihm und seinem Punktekontingent. Teile diesen Beitrag Das könnte Dir auch gefallen: 4 Kommentare Andrea Karminrot28. April 2019 at 16:49 | Edit Das hast du ganz wunderbar geschrieben. Genau so geht es mir immer wieder und ich habe mich mit meiner Rubensfigur angefreundet. Genau wie du, sehe ich zu, dass ich nicht über eine gewisse Marke rutsche. Klappt ganz gut. Trotzdem gucke ich immer wieder neidisch auf die knackige Figur meines Monstermädchen. Liebe Grüße Andrea Antworten stephanie jaeckel25. April 2019 at 23:29 | Edit Ich denke, die meisten Menschen – jajaja, Männer bekommen meist irgendwann auch Gewichtsprobleme – hadern mit dem Zunehmen. Zum Teil hat das gute Gründe, ich zum Beispiel habe nach einem Unfall kaputte Knie und jedes Pfund mehr tut dort weh. Wenn ich runder bin, werde ich unbeweglicher. Das wiederum schränkt mein Wohlbefinden ein – und so weiter. Nein, es ist sicher keine Schwäche, wenn

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Das Glück der Vergangenheit

Das Glück der Vergangenheit

Ich habe tatsächlich angefangen, meinen ersten Roman zu schreiben. Das Buch beschreibt das Leben meiner Mutter, ihre Jugend in Ostpreußen, ihre Flucht, ihre Kriegs- und Nachkriegserlebnisse. Aber auch das Leben nach dem Krieg, als sie in Hamburg meinen Vater kennenlernte und schließlich mich bekam. Und wenn es nicht den Seitenumfang sprengt, schließe ich mit der heutigen Zeit ab. Eigentlich wollte ich ein Buch über mich und mein Krustentier schreiben, aber dann fand meine Mutter beim Aufräumen ihre Tagebücher wieder, die sie führt, seit sie ca. zehn Jahre alt war. Nicht ganz lückenlos bis heute, aber doch so, dass ich mir viele Dinge und Situationen bildlich vorstellen kann. Recherche in der Vergangenheit Natürlich möchte ich alles so genau wie möglich recherchieren und einige wichtige Details fehlen mir noch, um die Geschichte wirklich authentisch schreiben zu können. So habe ich also eine Art Interview mit meiner Mutter geführt. Sie sollte mir genau beschreiben, wie die Schauplätze ihrer Jugend aussahen und was zu welcher Zeit an welchem Ort passiert ist. Erst habe ich mir ein bisschen Sorgen gemacht, dass diese ganzen Fragen sie zu sehr aufwühlen könnten. Immerhin spielt ein wesentlicher Teil der Geschichte in ihrer Jugend, also in Zeiten unmittelbar vor und während des 2. Weltkriegs. Ich möchte mich erst einmal auf ihre frühe Kindheit fokussieren. Also, alles vor und während der Schulzeit. Und gerade diese Zeit war die schwerste ihres Lebens mit der Deportation ihrer jüdischen Freundin, ihrer Flucht aus Ostpreußen und den Eindrücken aus dem Flüchtlingslager in Mecklenburg. Erinnerungen an die Vergangenheit Meine Mutter war ganz aufgeregt, dass ich soviel Rummel um ihre Person mache und hatte sogar ihre alte Fotokiste rausgeholt. Darin fanden wir wahre Schätze. Bilder ihrer Mutter, ihres verschollenen Vaters und ihres Bruders. Mit jedem Foto wurde sie gesprächiger und ihr fielen so wunderbare Geschichten ein, die sie bereitwillig und voller Euphorie erzählte. Ganze zwei Stunden saßen wir gemütlich mit unserem Kaffee auf ihrem Sofa und sie erzählte und erzählte. Ich schrieb fleißig mit und stellte hin und wieder eine Frage, ansonsten ließ ich sie einfach reden. Nach wenigen Augenblicken fühlte ich mich förmlich in die Zeit um 1934 zurückversetzt und befand mich mitten im Geschehen. Selten habe ich sie in den letzten Jahren so aus sich herauskommen sehen. Sie blühte förmlich auf und ihre Wangen wurden ganz rot vor Aufregung. Immer mehr kleine Anekdoten fielen ihr ein und wir lachten gemeinsam lauthals über die eine oder andere Geschichte. Zum Schluss nahm sie mich in den Arm und meinte, sie sei so glücklich, alles noch einmal in Gedanken erlebt zu haben. Es käme ihr fast vor, als sei ihre Jugend zurückgekehrt. Ja, sie fühle sich so unbeschwert, wie schon lange nicht mehr. Der Nachmittag war ein voller Erfolg! Ich habe ganz viele Anregungen für mein Buch und Mutti ist glücklich. Mehr geht nicht, oder? Teile diesen Beitrag Das könnte Dir auch gefallen: 6 Kommentare Frau Lakritz14. Februar 2020 at 13:47 | Edit Das kingt wunderbar! Ich wünsche dir viel Glück und gutes Schreiben! Herzliche Grüße! Antworten Gazellenpfad (Iris)14. Februar 2020 at 09:41 | Edit Das ist eine ganz wunderbare Idee. Ich wünsche dir viel Freude damit und Erfolg. Ich würde später deine /eure Geschichte gerne lesen. Ich bin auch so eine, die seit Jahrzehnten davon träumt ein Buch raus zu bringen. Geschrieben habe ich es schon. Die Rohfassung. Fehlt “nur noch” die Überarbeitung und die Verlagssuche etc. Oder mach ich es im Selbstverlag? Ich bin noch unsicher. Antworten llewella20. Mai 2019 at 15:01 | Edit Ganz ganz große Klasse! Ich drücke alle Daumen, dass du dieses Projekt zu Ende bringst! Antworten Tabea19. Februar 2019 at 10:22 | Edit Liebe Heike, ich bin gespannt! Mein Vater kam auch aus Ostpreußen, er war bei der Flucht allerdings noch sehr klein. Aber ein bißchen was habe ich auch erzählt bekommen. Wahrscheinlich liegt da auch irgendwo meine Leidenschaft für Trakehner verborgen 😉 Manchmal wünschte ich, ich könnte ihn auch noch danach fragen. Ich finde es toll, dass Du das Buch schreibst und wie Du mit Deiner Mutter daran gehst 🙂 Viele liebe Grüße, Tabea von tabsstyle.com Antworten Dita17. Februar 2019 at 19:37 | Edit Hallo Early, das finde ich ausgesprochen spannend. Sagenhaft, dass da noch Tagebücher vorhanden sind! Willst du wirklich einen Roman schreiben, also fiktional, oder nicht lieber eine echte Biografie, also Sachbuch? Hast du “Vatertage“ gelesen, das vor ein paar Jahren rauskam? Ein tolles Sachbuch, hat mich sehr beeindruckt, zumal gerade mein Vater dabei war, seine Geschichte für mich aufzuschreiben. Es ist der Hammer, man versteht plötzlich vieles ganz anders oder überhaupt erst. Die Generation hat extrem viel mitgemacht und wir arbeiten dutch unser Leben, so wie es ist, irgendwie auch die Erlebnisse der Vorfahren mit auf oder zumindest weiter. Ich freue mich, dass deine Mutter sich so gut fühlt dabei. Für Euer Verhältnis kann das richtig richtig richtig wertvoll sein, dass du dich mit ihr so intensiv befasst. Wünsche Euch alles Gute dafür. Dita Antworten Anonymous17. Februar 2019 at 16:53 | Edit Toll! Antworten Schreibe einen Kommentar Antworten abbrechen Du bist angemeldet als theorganizedcoziness. Dein Profil bearbeiten. Abmelden? Erforderliche Felder sind mit * markiert Recipe Rating Message*  Ja, füge mich zu der Mailingliste hinzu! Δ Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

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Pillen

Und ich wollte sie erst gar nicht…

Bestimmt zwei Jahre habe ich mich vehement und strikt geweigert, sie auch nur in Erwägung zu ziehen. Ich dachte, wie sollen sie mir helfen, was soll das schon bringen und auch einfach, nö, ich will nicht. Davon wird man abhängig oder dick oder schläft nur oder, oder, oder. Mir fielen bestimmt noch zehn Gründe ein, die ich dagegen vorgebracht habe. Und nun nehme ich sie doch und das schon seit ca. vier Monaten. Und was soll ich sagen? Es geht mir gut. Ich bin (meistens) fröhlich, habe wesentlich weniger Schmerzen, schlafe besser ein und durch und kann mich wieder für Sachen und Dinge begeistern. Dabei ist die Dosis relativ gering, doch sie ist anscheinend ausreichend, um mir und meinem Körper ein gewisses Wohlgefühl zu vermitteln. Aus gar nicht wurde irgendwann na gut… Die Rede ist von meinen Glückspillen, in medizinischen Fachkreisen auch Psychopharmaka genannt. Syneudon heißt meine ganz persönliches „Wunderpille“ von der ich zwar täglich nur ein Drittel der Maximaldosis einnehme, diese aber völlig ausreicht, um die Welt um mich herum und vor allem mich wieder in einem viel helleren Licht wahrzunehmen. Mein Psychotherapeut alleine hätte es wahrscheinlich nicht geschafft, mich umzustimmen. Er ist aber so zufrieden mit der jetzigen Entwicklung, dass wir uns sogar auf eine längere Pause zwischen meinen Sitzungen geeinigt haben. Und hatte ich vor Kurzem noch ein mulmiges Gefühl, so ganz ohne meinen Therapeuten durchs Leben zu gehen, freue ich mich jetzt sogar darauf. Ich habe es immer ein bisschen mit meiner Fahrschulzeit verglichen. Am Anfang konnte ich mir nicht vorstellen, auch nur einen Meter ohne meinen Fahrlehrer zurückzulegen, dann wurde ich immer mutiger und nach der bestandenen Fahrprüfung war ich ganz „heiß“ darauf, endlich alleine zu fahren. Und so geht es mir jetzt auch, ich bin sozusagen „heiß“ darauf, meine neu erworbene Lebensqualität Schritt für Schritt alleine auszuprobieren und vor allem „auszukosten“. Hätte ich nicht vor ein paar Monaten die Diagnose Fibromyalgie bekommen und wäre meine Hausärztin nicht so eine gute Medizinerin, würde ich bis heute noch keine dieser Tabletten anrühren. Sie kennt und begleitet mich und meine Krankengeschichte schon viele Jahre und bezieht mich immer in jede Entscheidungen mit ein. So auch dieses Mal. Als ich bei ihr vorstellig wurde, plagten mich schon seit Wochen starke Schmerzen in den Gelenken und Muskeln, ich hatte häufig Migräne, Durchfall und Schwindelgefühl. Nachdem sie alle anderen Möglichkeiten von Erkrankungen ausgeschlossen hatte, brachte sie ohne Umschweife das Thema Fibromyalgie auf den Tisch. Wo andere Ärzte diese Erkrankung oftmals nicht als solche anerkennen und die Symptome gerne mit „psychosomatisch“ abtun, fing ihre Behandlung erst richtig an. Nach Rücksprache mit meinem Onkologen führte sie den Ausbruch der Krankheit auf meine Krebserkrankung und die damit verbundenen Behandlungen zurück. Forschungen belegen, dass viele Krebs- und insbesondere Sarkom-Patienten früher oder später eine Fibromyalgie entwickeln. Sie riet mir zur Einnahme von zunächst täglich 12,5 mg Syneudon und nach zwei Wochen eine Steigerung auf 25 mg. Dieses Medikament wurde ursprünglich zur Behandlung von Depressionen entwickelt, nach längeren Studien fand man jedoch heraus, dass losgelöst von depressiven Episoden, auch bei Fibromyalgie-Patienten eine enorme Verbesserung der Lebensqualität nachgewiesen werden konnte. Jetzt möchte ich gar nicht mehr darauf verzichten Die Symptome sind nicht komplett verschwunden, aber wesentlich erträglicher geworden. An den meisten Tagen habe ich nur noch unterschwellig das Gefühl von Schmerzen. Bei akuten Schüben sind die Schmerzen weiterhin stark, aber zumindest die anderen Beschwerden treten deutlich vermindert auf. Und zusätzlich haben die kleinen Pillchen eben diesen positiven Effekt auf meine angeschlagene Psyche. Konnte ich vor einigen Monaten die Frage nach meinen Hobbys nur peinlich berührt und etwas unsicher mit einem Schulterzucken und den Worten: „Weiß nicht, ich habe keine.“ beantworten, entwickele ich inzwischen eine gewisse Leidenschaft für verschiedene Dinge. Und vor allem habe ich unbändige Lust etwas zu tun. Mein Psychologe lachte, als ich ihm, offensichtlich selbst erstaunt über diese Entwicklung, erzählte, dass ich soziale Kontakte pflegen würde. Einfach so, ohne darüber nachzudenken, ob ich es schaffe, zu einem Treffen wirklich zu erscheinen, ohne vorher abzusagen. Und dass ich sogar zwei Wochenendtrips hintereinander geplant und sogar durchgeführt habe. Es macht mir wieder Spaß und Freude mich mit Freunden zu treffen und Unternehmungen zu planen. Ich habe wieder angefangen zu stricken und finde es toll und entspannend zu sehen, wie wunderschöne gestrickte Sofakissen unter meinen Händen entstehen. Ich lese regelmäßig Bücher und Zeitschriften, ohne nach kurzer Zeit die Konzentration zu verlieren. Und ich plane Dinge im Voraus, wie zum Beispiel die Gestaltung unseres Gartens. Eine Einschränkung jedoch gibt es nach wie vor. So gut die Tabletten auch gegen meine „Neuerkrankungen“ helfen, so versagen sie leider bei den Nebenwirkungen meiner Krebsbehandlung. Ich habe natürlich auch nicht erwartet, dass ich jetzt das allumfassende Wundermittel gegen alles verabreicht bekomme. Das wäre doch etwas zu viel verlangt. Und so nehme ich sie hin, die Tage an denen es mir körperlich einfach schlecht geht. Meist kommen die Nebenwirkungen heimtückisch von hinten aus dem Nichts angeschlichen und schlagen dann voll zu. So kann es mir Morgens (für meine Verhältnisse) fantastisch gehen und mittags geht dann plötzlich gar nichts mehr. Manchmal legen sie mich nur für ein paar Stunden lahm und manchmal für Tage. Das nervt schon ganz gewaltig. Aber auch damit gehe ich mittlerweile etwas gelassener um, ich kann es ja sowieso nicht ändern. Teile diesen Beitrag Das könnte Dir auch gefallen: 1 Kommentar mijonisreise12. Februar 2019 at 22:25 | Edit Aber im großen und ganzen hört sich das sehr gut an. Schön, das es auch Ärzte gibt, die mitdenken ✌ Antworten Schreibe einen Kommentar Antworten abbrechen Du bist angemeldet als theorganizedcoziness. Dein Profil bearbeiten. Abmelden? Erforderliche Felder sind mit * markiert Recipe Rating Message*  Ja, füge mich zu der Mailingliste hinzu! Δ Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

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